Eine typische Nichtschläfer Karriere

Ich heiße Karin Becker, bin im Mai 1954 geboren und lebe in Bonn.

 

Schon als Kind war ich ein Schlechtschläfer. Meine Eltern haben oft davon berichtet.

 

Der Auslöser der Schlafstörung

 

Ich habe Mathematik in Bonn studiert und dann über 23 Jahre erfolgreich ein Computergeschäft mit einigen Mitarbeitern geleitet. Irgendwann kamen berufliche und private Probleme so zusammen, dass von einem auf den anderen Tag der Schlaf komplett weg war. Na ja, so das Minimum hat sich der Körper wohl noch geholt, sonst wäre ich wohl tot, aber so richtig gemerkt habe ich es nicht. Ich hatte nie zuvor Drogen, Psychopharmaka oder sonstiges genommen und was mich bis heute immer noch verblüft, ist, dass es dem Körper gelingt selbst die härtesten Schlafmittel außer Kraft zu setzen, wenn er nicht schlafen WILL. Zumindest bei mir war es so. Jedes Mittel wirkte zwei, drei Tage, dann war es vorbei. Für mich ist das heute noch ein wissenschaftliches Phänomen, was mich erstaunen läßt, was der Geist vermag. Irgendwann sagte der Arzt, das verschreibe ich Ihnen jetzt nur einmal und wenn das auch nicht wirkt, dann müssen Sie in eine Klinik.

 

Der Psycho Weg

 

Da landete ich dann auch. Das ist ca. 15 Jahre her. Es war eine gute Psychosomatische Klinik, aber nicht spezialisiert auf Schlafstörungen, so wie es das heute gibt. Ich war verzweifelt. Ich ließ ein Geschäft in einer Krise zurück, war unfähig einzugreifen und kriegte kaum noch den aufrechten Gang hin. Ich wäre nicht mehr hilfreich gewesen. Und vor allem hatte ich Angst vor einer Psychotherapie, die ich nicht wollte. Was würde man mit mir machen? Meine Kräfte mich Neuem und Forderndem auszusetzen waren dahin. Im nachhinein hat mir die Therapie geholfen viel Lebensfreude und Lebendigkeit zu finden, vieles anders zu sehen - aber meine Schlafprobleme hat sie nicht gelöst. Vielleicht lag es daran, dass die Ärzte nicht darauf spezialisiert waren. Heute gibt es spezielle Schlafkliniken. Auch die weitere Psychotherapie nach der Klinik hat den Schlaf nicht verbessert. Es war eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Sie hat mir geholfen, vieles zu ändern, jedoch nicht den Schlaf zurück zu gewinnen.

 

Die Neuorientierung

 

Nach vielen Wochen verließ ich die Klinik und war mir sicher, in den alten Job möchte ich nicht mehr zurück. Ich verkaufte die Firma einem Mitarbeiter. Ein klares Ziel, was ich machen wollte, hatte ich damals nicht.

 

Irgendwann habe ich die Freude am Massieren entdeckt. Nach den Formeln schienen die Menschen interessanter. Ich besuchte einen Wochenendkurs, massierte über ein Jahr im Freudes- und Bekanntenkreis und die Ausbildungen wurden immer mehr. In dieser Zeit begann ich auch mit der Ausbildung in "Kontemplativer Psychologie". Nach und nach wurde daraus mehr und ich gründete mein Massagestübchen, was ich heute noch betreibe. Es machte mir viel Spass mit Menschen zu arbeiten. Nach und nach wurde das Thema Entspannung immer interessanter und ich wurde Trainer für Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung. Auch eine große "Bütt" zog in das Massagestübchen ein - ein Floating Tank. Die hießen früher "Samadhi Tanks" und hatten ziemlich viel damit zu tun, was im Geist passiert, wenn er welche Reize bekommt oder auch nicht.

 

Meditation

 

Nach der Klinik fand ich auch zur Meditation, die bis mich heute begleitet. Seit ca. 15 Jahren meditiere ich. Ich nahm an mehreren vierwöchigen Meditationsretreats teil, wo von morgens 8 bis abend 22 Uhr meditiert wird. Mittlerweile bin ich ausgebildete Meditationsanleiterin. Meditation ist zum festen Bestandteil meines Lebens geworden.

 

Viel hat sich in meinem Umgang und der Sicht zum Leben geändert. Was sind eigentlich Probleme? Kommen sie wirklich von außen? Kommt die Lösung von außen? Oder ist es meine Sicht und mein Umgang damit? Warum bin ich so, wie ich bin? Welche Kräfte umtreiben mich? Haben sie mich im Griff oder kann ich auf Distanz dazu gehen?

 

Umwege und Sackgassen

 

Leider habe ich trotz aller Ärzten und Therapeuten sooooo viel falsch gemacht. Der Schlaf wurde zum zentralen Thema meines Lebens. Letzlich hatte ich meinen Computerjob deswegen aufgegeben. Ich löste die immer noch andauernde Schlaflosigkeit, indem ich einfach dem Schlaf freien Lauf ließ. Anfangs kreisten noch alle Gedanken im Bett um die Sorge um den Schlaf und ich manifestierte so eine chronische Schlafstörung, die auch noch bestand, nachdem die akuten Probleme vorbei waren. Alles in meinem Leben hatte sich dem Thema Schlaf unterzuordnen. Die Erfahrung des fast überhaupt nicht mehr Schlafen könnens war so traumatisch, dass ich das nie, nie wieder haben wollte. Ich habe damals wohl nur noch das absolute Mimimum geschlafen, was man so gerade noch braucht, um zu überleben, aber zum richtigen Leben reichte es nicht mehr. So habe ich mir also eine handfeste chronische Schlafstörung herangezüchtet.

 

Ich richtete mein Leben so ein, dass ich bis morgens 11 oder 12 Uhr schlief, weil ich ohnehin erst in den Morgenstunden einschlafen konnte. Ich brachte meine biologischen Uhren völlig durcheinander, denn immer wieder kam es vor, dass ich nun doch morgens aufstehen musste. Handwerker, Ärzte, Urlaube mit anderen, Seminare usw. richteten sich nicht nach meiner Zeit. Erst heute weiß ich, dass regelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmen zu den absoluten Basics bei einer Schlafstörung gehören.

 

Unregelmäßige Schlafzeiten führten auch zu unregelmäßigen Essenszeiten. Ich hab gegessen, wenn ich Hunger hatte und es paßte. Ohne jedes Konzept.

 

Damals wußte ich nicht, wie wichtig Regelmäßigkeit ist. Wir funktionieren so, ob wir wollen oder nicht.

Mein Schlummertrunk in Form von Wein war auch meist dabei. Er half einzuschlafen.

 

Erfolg nach jahrelangem Misserfolg

 

Irgendwann brachte ich die Meditationspraxis und das Schlafproblem zusammen. Liegt es nicht nahe dem Schlaf mit Achtsamkeit zu begegnen, statt ihn erzwingen zu wollen oder ihm so freien Lauf zu lassen, dass er seine natürliche Ordnung verliert?

 

Aus einem geborenen Schlechtschläfer wir sicher kein Leichtschläfer. Wann immer etwas in meinem Leben hakt, ich reagiere mit dem Schlaf. Aber ich habe zu einem guten, erholsamen Schlaf im Alltag zurück gefunden und wenn es mal nicht klappt, reagiere ich mit Gelassenheit und nehme hin, was ich ohnehin nicht ändern kann.

 

Da ich mittlerweile auch Achtsamkeitstrainerin geworden bin und der Schlaf nahezu mein Lebensthema wurde, möchte sich sehr gern meine Erfahrungen mit Ihnen teilen und hoffe, dass sie eine Anregung für Sie sein können, auch neue Wege zu beschreiten.

 

Meine Qualifikation

 

  • 3 jährige Ausbildung in Kontemplativer Psychologie bei Upaya
  • Seminarleiterausbildung für Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung
  • derzeit in der Lehrerausbildung bei Shambhala
  • 15 Jahre Berufserfahrung im Bereich Entspannung und Stressreduktion 

 

Und insbesondere meine eigen Erfahrungen mit Schlafstörungen.